Kongress in Visakhapatnam

„The World Tomorrow“
World Conference on Mundane Astrology


Vom 1. bis 4. Oktober 2010 fand an der Andhra Universität von Visakhapatnam (Andhra Pradesh) ein internationaler Kongress über Mundanastrologie statt. Auch die DGVA war durch ihren zweiten Vorsitzenden Rafael Gil Brand bei diesem Ereignis vertreten.


Visakhapatnam Konferenz

Der Kongress wurde organisiert von Satguru Shri Shivananda Murty, der in Bheemunipatnam, in der Nähe von Vishakhapatnam lebt. Er ist ein großer Wohltäter und Guru der Region, der dort sehr verehrt wird und schon mehrere kulturelle Vertanstaltungen organisiert hat. So hat sich mit der Zeit um seinen Wohnsitz ein Ashram gebildet, in dem seine engeren Jünger wohnen.

Für die Auswahl und Einladung der ausländischen Referenten war James Kelleher zuständig.
So entstand ein bemerkenswerter Kongress mit namhaften Astrologen aus Indien und weltweit, unter ihnen James Kelleher selbst, David Frawley, Komilla Sutton, Edith Hathaway, K.N.Rao, Gayatri Vasudev und Sunil John, um nur einige Namen zu nennen. Alle waren sie eingeladen, um zu der gegenwärtigen Lage in der Welt und über die kommenden Entwicklungen aus astrologischer Sicht Stellung zu nehmen.

Der Kongress begann am Vormittag des 1. Oktober. Am Morgen wurden ein Sri Ganapati Puja und das Navagraha Havan, einer Feuerzeremonie zur Ehren der Planeten, im Hause von Sri Prabhat Kumar, der Shivananda Murty beherbergte, veranstaltet. Anschließend ging es ins Hauptgebäude der Universität, wo in einer ausgiebigen Eröffnungszeremonie einige Persönlichkeiten aus der Lokalpolitik und aus der Universität ihre Ansprache hielten und jeder Referent des Kongresses einzeln vorgestellt und begrüßt wurde. Am Nachmittag fing der eigentliche Kongress an.

Die Vortragsreihe wurde eröffnet durch David Frawley, der über die Yugas und den Präzessionszyklus referierte. Er machte deutlich, dass der Begriff Yuga sich auf verschieden umfangreiche Zeiträume beziehen kann, und unterschied insbesondere eine astronomische, eine geologische und eine historische Zeitdimension. So ist das übliche Yuga-System zu beziehen auf große Perioden der Erdgeschichte. Das Yuga-System des Manu, welches mit dem Prezessionszyklus korreliert werden kann, ist für die Menschheitsgeschichte relevanter. Diesem Zyklus zufolge – so Frawley – befinden wir uns derzeit im Dwapara Yuga des aufsteigenden Zyklus, und innerhalb desselben zwischen 1900 und 2100 in einem Kali-Subyuga.

Der Vortrag von James Kelleher beschäftigte sich mit den Konjunktionen von Saturn und Rahu. Er ließ zunächst die Konjunktionen der letzten zwei Jahrhunderte Revue passierte. Auf der Grundlage dieser Beobachtungen formulierte er dann eine Reihe von sehr konkreten Prognosen, die während der nächsten Saturn-Rahu-Konjunktion zwischen Januar 2013 und Juli 2014 eintreten könnten, unter anderem die Gefahr eines Konfliktes zwischen Iran und Israel, bei dem auch nukleare Waffen im Spiel sein könnten.

Edith Hathaway aus den USA referierte über die Auswirkungen der Jupiter-Saturn-Konjunktion in Steinbock von 1960. Als erste Konjunktion einer Serie in den Erdzeichen markiere sie den allgemeinen Trend der folgenden zwei Jahrhunderte. Da der geschwächte Jupiter hier den Krieg gegen einen erstarkten Saturn verliert, werden humanitäre und ethische Interessen den materialistischen Interessen untergeordnet. So kommt es zur Bildung mächtiger Konzerne, welche in manchen Fällen einzelne Nationen zu zerstören drohen. Auf dieser Grundlage gab sie Trendprognosen für die wichtigsten Weltmächte, inklusive Deutschland. Sie konnte hiermit unter anderem den positiven Trend in der deutschen Wirtschaft erklären, der wohl die nächsten Jahre anhalten soll.

Am Abend dieses ersten Tages wurde ein Konzert mit einem Chor aus Karnata dargeboten. Sie sangen die Navagraha Keertanas von Muthu Swamy Deekshitar. Shivananda Murthy erklärte spontan die Bedeutung jedes einzelnen Keerthana zwischen den einzelnen Darbietungen. Er zeigte auch, wie jedes Keerthana das mantra zur Besänftigung des jeweiligen Planeten enthält.

Am nächsten Tag fing die Vortrsgsreihe mit Komilla Sutton an. Sie untersuchte die Konjunktionen von Mars und Ketu, und fokussierte insbesondere auf die Ketu-Mars-Konjunktionen in Krebs und deren Bedeutung im Zusammenhang mit Erdölkrisen.

Shambhavi Chopra aus den USA gab einen inspirierenden Vortrag über die Göttin Kali als die Yuga Shakti, die Macht, ein neues Erdzeitalter zu schaffen. Kali ist die höchste Shakti der Zeit und der Transformation. Um die globale Krise und die aufkommenden Veränderungen auf der Erde zu meistern, sollte die Menschheit – so Shambhavi Chopra - sich verstärkt auf diese weibliche Kraft der Transformation besinnen.

Rafael Gil Brand zeigte auf, wie die Präzession der Tag- und Nachtgleiche sowie der Sonnenwendpunkte durch die verschiedenen Unterteilungen des Tierkreises gedeutet werden können, wie etwa Erhöhungsgrade, Huddas, Nakshatras und Navamsas, und wie diese Technik wertvolle Hinweise auf die heutige Zeit geben kann. Außerdem deutete er auf die stärkere Ausprägung von Planetenkonstellationen und Finsternissen auf diesen Wendepunkten, sowohl in der Vergangenheit wie in den kommenden Jahren.

Am Samstag Nachmittag begann die Reihe der Vorträge indischer Referenten. Manche von ihnen sprachen leider auf Telugu, sodass nur Einheimische ihnen folgen konnten. Die Mehrheit aber referierte auf Englisch. Hier eine Auswahl besonderer Highlights:

K.N.Rao, einer der renommiertesten Astrologen Indiens, begann seinen Vortrag mit der Feststellung, dass die Inder sich allzu sehr dem westlichen Denken und Handeln angepasst hätten, und eine Konsum-orientierte Haltung vorherrschte. Auch wenn dieser Trend unweigerlich in eine größere Krise führen dürfte,gibt es in Indien nicht den Glauben an einen Jüngsten Tag, sondern an den Wechsel größerer und kleinerer Zeitalter mit ihren entsprechenden Pralayas oder reinigenden Krisen. K.N. zeigte uns eine Reihe von wichtigen Prinzipien, die in der Mundanastrologie beachtet werden sollten, wie die Einschätzung von Finsternissen, die Transite von Saturn durch Stier und Rohini, die Kombination von Dashas und Transiten in Horoskopen von Staaten und ihren Präsidenten, sowie bestimmte Konstellierungen, welche die Gefahr kriegerischer Auseinandersetzungen anzeigen. Auf dieser Basis prophezeite er, dass im Jahr 2013 in Pakistan ein Regierungswechsel bevorstünde, mit der Gefahr einer Machtübernahme durch die Taliban. dass Chinas, USA und Indien ab 2025 in Kriegen involviert sein werden, und dass 2030 ein besonders kritisches Jahr darstellt, das größere Disaster wahrscheinlicher werden lässt.

Die renommierte Astrologien Gayatri Devi Vasudev hielt einen interessanten Vortrag, der sich mehr mit innenpolitischen Affären Indiens beschäftigte, speziell in Andhra Pradesh. Sie ging auch auf die Frage ein, ob im Jahr 2012 die Gefahr einer größeren Katastrophe wie etwa einem Tsunami bestünde, verneinte aber angesichts der astrologischen Konstellationen ein solches Ereignis, wie es die Maya prophezeit haben sollen.

Spannend war auch der Vortrag von Sunil John, dem Herausgeber von „Saptarishis Astrology“. Er referierte über bestimmte Anwendungsregeln aus der Bhrigu-Astrologie, das sogenannte Bhrigu Saral Paddhati, wonach der Einfluss eines Planeten sich nach einem vorbestimmten Zeitraum in bestimmten Häusern des Horoskops manifestiert. Dieses Wissen habe er von seinem Mentor empfangen, dr nicht genannt werden will. Sunil John zeigte an verschiedenen Beispielen, wie diese bis dato kaum bekannten astrologischen Prinzipien sich in Staatshoroskopen anwenden lassen.

Nach dem Abendessen gab es wieder ein musikalisches Programm mit dem Gitarristen Sri Jayawant Naidu aus Hyderabad. Er gab ein sehr schönes Konzert und erklärte dabei die besonderen Eigenschaften der Hindustanischen Musik.

Der nächste Tag begann mit einer Rede von Satguru Shivananda Murthy, in der er auf den Unterscheid zwischen wissenschaftlicher Forschung, (astrologischer) Vorhersage – die sich auf der Analyse von Daten stützen muss - und Prophezeihung. Er erklärte, wie das alte vedische Wissen ein Resultat von Yoga und Tapas ist – die Versenkung in eine Frage, um eine Offenbarung zu erlangen.Solche Offenbarung sei auch heute möglich, auch wenn das gegenwärtige Yuga es im Verhältnis zu vedischen Zeiten erschwert. Shivananda Murthy wies interessanterweise darauf hin, dass die klassische Dauer der Yigas wahrscheinlich übertrieben ist, und das Kali-Yuga auf 4320 Jahre reduziert werden müsste. Auch geht er davon aus, dass wir uns zur Zeit in einem Yuga Sandhi befinden, in dem Übergangt zu einem neuen Zeitalter, was sich am heutigen Zustand der Welt zeige.

Deepak Bisaria zeigte die Anwendung handfester Techniken der Mundanastrologie in seinem Vortrag über den Aufstieg und Niedergang von Großmächten. Ein zentrales Instrument ist dabei das Vimshottari-Dasa-System. Nach seiner Einschätzung sehen USA und Israel ab 2018 schwereren Zeiten entgegen. Auch prophezeite er, dass ab 2030 Russland aus dem kommenden Wettrennen um die Vormacht siegreich hervorgehen würde.

In diesem Zusammenhang sei angemerkt, dass K.N. Rao, Deepak Basaria und andere indische Astrologen eine andere Uhrzeit für die USA postulieren als die uns geläufige. Demnach stünde der Aszendent Ende Löwe.

G. Patasarathi Rao beschäftigte sich vor allem mit der Prophezeihung der Mayas, und zeigte verschiedene astrologische, astronomische und geologische Begebenheiten auf, die in diesem Zusammenhang bedeutsam sein könnten, darunter auch die Stellung der Transsaturnier und das in 2012 erwartete Maximum im Sonnenfleckenzyklus, sowie die allgemeine Erderwärmung.

Die Prophezeihung der Mayas wurde von verschiedenen Referenten immer wieder aufgegriffen. Es gab einen breiten Konsens darüber, dass im Jahr 2012, und speziell im Monat Dezember, keine nennenswerten astrologischen Anzeichen zu finden sind, die eine größere Wende oder gar eine Katastrophe rechtfertigten. Gleichzeitig wiesen viele Referenten darauf hin, dass die astronomischen Begebenheiten, auf die sich das Ende der „Langen Zählung“ der Mayas bezieht – insbesondere die Konjunktion der Wintersonnenwende mit dem galaktischen Äquator – möglicherweise eine bedeutsame Wandlungskrise anzeigen, die sich über einen längeren Zeitraum erstreckt, und deren Symptome wir derzeit erleben. In vielen Vorträgen – und insbesondere bei der Ansprache von Shivananda Murthy – wurde die Sorge um die derzeitigen Entwicklungen in Umwelt, Gesellschaft und Politik, sowie über den Verfall dharmischer Werte, deutlich zum Ausdruck gebracht.

Zum Schluss möchte ich noch zwei weitere Vorträge von Referenten erwähnen, die keine Astrologen waren.

V.V.S. Sarma ist Ingenieur und Professor am indischen Institut für Wissenschaften (IISc) und ein Experte in systemischen Wissenschaften und künstlicher Intelligenz. Er bot einen Überblick über moderne Konzepte von Zeit, Raum und den Möglichkeiten von Zukunftsvorhersagen. Insbesondere wies er auf die Schwierigkeit, das Verhalten komplexer Systeme vorherzusagen, in denen der menschliche Faktor eine Rolle spielt. Er appellierte an die Astrologen, sich mit der Kritik aus dem Lager der empirischen Wissenschaften auseinanderzusetzen, und zeigte sich zuversichtlich, dass die Astrologie ihren Anspruch als ernstzunehmendes Prognosesystem behaupten könne.

Der Geophysiker V.L.S. Bhimasankaram bot eine wunderbare Einleitung in die geophysischen Prozesse, die zur Entstehung von Erdbeben, Tsunamis und Vulkanausbrüchen führen. Obwohl sein Vortrag keinen astrologischen Inhalt hatte, vermittelte er sehr wertvolle Information, die bei der Vorhersage solcher Ereignisse bedacht werden sollte.

Die Beiträge gerade dieser Referenten zeigte sehr deutlich die größere Akzeptanz, die Astrologie in Indien – bei aller Kritik, die es auch gibt – genießt. Prof. Sarma und Prof. Bhimasankaram waren nicht nur zu ihrem Vortrag gekommen, sondern beteiligten sich aktiv an dem gesamten Kongress.

Alles in allem war das eine sehr gelungene Konferenz, die auch Gelegenheit zu neuen interessanten Kontakten bot. Umrahmt war sie von kulturellen bzw. religiösen Events, die teilweise oben schon beschrieben wurden. Abschließend wurden die ReferentInnen am Montag zu einer Besichtigung des Maha-Lakshmi-Tempels und zu einem Abendessen in Bheemunipatnam eingeladen. Hier gab es auch Gelegenheit, in einem engeren Kreis den Worten von Shivananda Murthy zu lauschen, der seinen tiefen Einblick in die sozialen und politischen Probleme unserer Zeit, und seine reiche Kenntnis der verschiedenen vedischen Shastras offenbarte. Besonders bemerkenswert war die Einfachheit und Menschlichkeit, mit der Shivananda Murthy seine Weisheit mit uns teilte. Ihm sie dafür besonders gedankt, dass er diese interessante und sehr gelungene Konferenz konzipierte und ermöglichte.

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